Zeltlager für Flüchtlinge in Wetzlar quellen über

Aufgrund einer aktuellen Diskussion auf der Mailingliste der Lahn-Dill-Piraten möchte ich euch ein paar Fakten und Informationen zum Thema Zeltlager für Flüchtlinge in Wetzlar zukommen lassen. Ganz wichtig vorweg: Es handelt sich hier nicht um reguläre Unterkünfte, sondern nur um ein Notlager, um die ebenfalls überquellenden Erstaufnahmelager in Gießen zu entlasten. Aber auch das Notlager ist bereits überfüllt. Auf dem Gelände des hessischen Katastrophenschutzlagers im Gewerbegebiet Spilburg in Wetzlar wurden große Zelte für ca. 500 Personen aufgestellt. Wieviele Flüchtlinge sich dort tatsächlich aufhalten, entzieht sich meiner Kenntnis, ganz bestimmt sind es aber nicht 5.000 oder 7.000, wie jemand auf der Mailingliste meinte. Es könnten aber durchaus 700 Flüchtlinge sein. Das Gelände ist selbstverständlich eingezäunt, denn es handelt sich ja um das Katastrophenschutzlager. Diese Zäune wurden nicht für die Flüchtlinge aufgestellt, um sie einzusperren. Vielmehr dienen diese Zäune den Flüchtlingen u.a. dazu, ihre Wäsche zum Trocknen aufzuhängen. Polizei habe ich dort noch nie gesehen, aber viele Menschen, die friedlich auf den umliegenden Wiesen oder am Straßenrand in der Sonne sitzen, was ein Beleg dafür ist, dass sie sich entgegen anders lautenden Gerüchten frei bewegen können. Ich hoffe trotzdem, dass die Polizei regelmässig an dem Lager vorbeifährt und nach dem Rechten schaut, um die Flüchtlinge vor evtl. Übergriffen zu schützen.

Die Flüchtlingshilfe Wetzlar e.V., die von Herrn Würges koordiniert wird, der auch die TAFEL von der evangelischen Kirchengemeinde in Wetzlar-Niedergirmes aus organisiert, hat freien Zugang zu dem Lager, wie er mir selber telefonisch versichert hat. Er ist dankbar für jede Hilfe und jeden Helfer. Der Lahn-Dill-Kreis, der für die Flüchtlinge verantwortlich ist, hat mir bestätigt, dass die Privatinitiative mit dem Lahn-Dill-Kreis zusammenarbeitet und die ehrenamtlichen Helfer einsetzt. Nach der Notaufnahme werden die Flüchtlinge in ihre eigentlichen Unterkünfte, die über ganz Hessen verteilt sind, transferiert, wo sie dann auf Dauer bleiben sollen.

Auch das Thema medizinische Versorgung wurde auf der Mailingliste aufgegriffen. Sicher ist es möglich, dass sich Tuberkulosekranke unter den Flüchtlingen befinden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ihnen medizinische Versorgung vorenthalten wird. Es wird wohl eher so sein, dass die Kapazitäten der Fachärzte im Raum Wetzlar-Gießen gar nicht ausreichen, um innerhalb kürzester Zeit hunderte von Flüchtlingen als Routinemaßnahme auf diese oder andere ansteckenden Krankheiten hin zu untersuchen. Man versuche einmal selbst, bei einem Facharzt einen Termin für die nächsten Wochen zu bekommen. In vielen Fällen wird man monatelang warten müssen, auch dann, wenn man Schmerzen hat oder anderweitig akut krank ist.

Liebe Piraten, anstatt Katastrophengerüchte über die Mailinglisten zu verbreiten, wäre es für die Flüchtlinge hilfreicher, sich vor Ort ein Bild zu machen und selber initiativ zu werden. Jeder von euch kann in die Schanzenfeldstraße fahren; das hessische Katastrophenschutzlager ist ganz leicht zu finden, es steht nämlich ein großes Schild da, und die großen Zelte für die Flüchtlinge sowie die Flüchtlinge selbst fallen auch sofort ins Auge, wie auch die bunten Wäschestücke an der Umzäunung. Geht hin und redet mit den Leuten, und wenn ihr helfen wollt, dann wendet euch an Herrn Würges, Telefon s. DIE TAFEL oder Flüchtlingshilfe e.V., Wetzlar.

Ingrid