Was ist der ESM Vertrag und seine Folgen für jeden Europäer?

Auf den letzten Stammtischen wurde regelmäßig das Thema ESM, Fiskalpakt und dergleichen angesprochen.
Während die Mainstream-Medien unkritisch und gleichgeschaltet diese Themen als alternativlos und notwendig bewerben, finden sich im Internet seit längerer Zeit Stimmen, welche erhebliche Kritikpunkte sehen.

Der wichtigste Punkt aus meiner persönlichen Sicht ist die aus dem ESM resultierende Abschaffung der Republik - in ähnlicher Weise wie es dieses Land schon einmal erlebt hat mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933.
 
Mit dem ESM sollen die Parlamente der EU auf ein basales Hoheitsrecht für immer (!) verzichten. Nämlich die Kontrolle des Staatshaushaltes und die Entscheidung wie Steuergelder zu verwenden sind.
 
Dieses Recht soll für immer an Gouverneure übertragen werden, welchen zusätzlich noch weitere Rechte zugebilligt werden sollen, welche alle grundlegenden Eigenschaften aufweisen wie man sie von Diktaturen erwarten würde.
 
Die Gouverneure sind gemäß den Worten des ESM de facto Diktatoren ausserhalb jeglichen Gesetzes und völliger Immunität, deren Handeln nicht mehr von den Souveränen, den europäischen Völkern kontrolliert werden kann und soll. Weder direkt noch indirekt über Parlamente.
 
Es heisst: "Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Politik und damit das Volk."
 
Was nutzt es einem Parlament etwas zu entscheiden, wenn keine Mittel dafür zur Verfügung gestellt werden können?
 
Weshalb sollen alle Bewohner Europas für fiktive Schulden in Haftung genommen werden, weil private Banken sich verspekuliert haben mit einer immens aufgeblasenen, selbsterzeugten Kreditblase, welche aus dem Nichts geschaffen wurde? (Stichworte Fiat-Geld, Schuldgeld, Zinseszins)
 
Die Probleme der Spielarten der kapitalitischen Marktwirtschaftweisen sind seit Jahrhunderten bekannt. Es wurden viele Versuche unternommen um einen Kollaps des jeweiligen Systems durch Gesetze und Regeln verhindern zu können. Alle Versuche sind gescheitert, denn ein exponielles Anwachsen von Schulden und Zinsforderungen ist in einem Fiatmoney-Zinseszins-System mathematisch unvermeidbar. Alle 70 bis 100 Jahre kommt es zu einem Kollaps, da Zinsforderungen nicht mehr bedient werden können.
 
Eine mögliche Lösung des Problems, welche auch schon vor sehr langer Zeit einmal praktiziert wurde, ist eine regelmäßige Vernichtung alle Schulden und quasi Reset des Systems. Befreit vom Problem konnte nun wieder ~50 Jahre gewirtschaftet werden, ohne das Forderungen aus Zins und vor Allem Zinseszins die Wirtschaft abwürgen und die Schere zwischen sehr wenigen Reichen und sehr vielen Armen unerträglich wird.
 
Verlierer dieser Lösung sind Bezieher von leistungslosen Einkommen wohingegen diejenigen, welche einen ehrlichen Beruf ausübten, nun die freigewordenen Mittel aus etwaigen Zinszahlungen wieder in sinnvolle Dinge investieren. Ein solches System zwingt Kapitalbesitzer ihr Vermögen in realwirtschaftliche Prozesse einzubringen statt von Zinsen auf Kapital und damit der Arbeit anderer Menschen zu leben. Die realwirtschaftlichen Unternehmungen und Handelsbeziehungen überleben den Reset, während Kapital, welches ja in einem Schuldgeldsystem immer auf Schulden anderer Menschen aufbaut, sich quasi in Luft auflöst.
 
Leider haben die Profiteure des kapitalistischen System schon zu allen Zeit gegen alle Reglungen und Gesetze opponiert und mit dem Experiment des Neoliberalismus den Markt insbesonders den Kapitalmarkt nahezu komplett davon befreit. Und der absehbare mathematische Kollaps trat diesmal in Rekordzeit ein.
 
Das aktuelle Konzept der herrschenden neoliberalen Profiteure sieht vor, alle Menschen in Europa in Schuldknechtschaft für die eigenen Fehler und fiktiven Schulden haften zu lassen. Die Schulden und damit die Ursache des Problems werden aber nicht beseitigt, sondern durch die Rettungschirme lediglich reduziert. Dadurch vermindern sich nur sehr kurzfristig die Zinsforderungen, aber die Forderungen wachsen genauso exponential weiter wie zuvor. In absehbarer Zeit tritt dann von neuem das Überschuldungsproblem auf.
 
In letzter Konsequenz kann man mit dieser Vorgehensweise die Schuldknechtschaft der Menschen Europas auf alle Ewigkeit aufrecht erhalten.
 
Früher im Feudalismus erzwangen Fürsten und Könige mit ihren bezahlten Mördern und Handlangern, dass die Menschen als rechtlose Leibeigene ihre Herren nähren mussten.
 
Heute sollen Menschen sich selbst in Form von Kreditnehmern zu Untertanen der Finanzwelt und Wohlhabenden degradieren. Momentan reicht das Druckmittel des finanziellen und sozialen Ruins um die Kreditnehmer ausreichend zur Tilgung ihrer Kredite zu motivieren. Wer möchte schon als Hartzer enden und Alles genommen bekommen, was man im Leben geglaubt hat, sich erarbeitet zu haben?
 
Möchten sie ein rechteloser Untertan sein? Sie und ihre Nachkommen bis in alle Ewigkeit? Für die privaten Schulden oder Zinsforderungen von Wenigen arbeitend, während man Ihnen nur das Nötigste zum Leben gönnt?
 
Wenn Sie jetzt 'Nein!' denken, dann sei Ihnen versichert, dass auch die Profiteure dieses angestrebten Neofeudalismus sich dessen sehr wohl bewusst sind. Und wenn die Menschen Europas nicht mehr mitspielen und selbst freiwillig versklaven, dann wir man sie sicher dazu zwingen wollen. Und an den notwenigen Helfern, Mitläufern und Günstlingen wird es wie auch in den vergangenen Jahrhunderten nicht mangeln.
 
Wer dies nicht möchte, sollte sich jetzt Gedanken machen und sich selbst und die Mitmenschen aufklären und bei den anstehenden Wahlen seine Stimme mit Bedacht vergeben.
 
Wie und in was für einer Welt möchten Sie und ihre Nachkommen leben? Entscheiden sie mit und treffen Sie eine Wahl bevor die sich wiederholende Geschichte Ihnen keine Wahl mehr läßt.
 
Denk Selbst! Bestimme Selbst mit!
 
Weitere Meinungen zum ESM und dem Geldsystem finden Sie untern den folgenden Links:

 
Alternative Ideen und Visionen anstelle der aktuell bekannten Systeme (Kapitalismus/Kommunismus/Sozialismus/...) für die Diskussions und Meinungsbildung. Das jetzige System ist nicht alternativlos:

 
Hinweis und Nachtrag: Der obige Text stellt meine persönliche Sicht der Dinge dar. Es ist nicht der Standpunkt der Piratenpartei, obgleich dieses Thema und viele andere innerparteilich kontrovers diskutiert werden.
 
Es herrscht zudem der Standpunkt, dass die Piraten nicht die einzig wahren Lösungen der Probleme liefern können und es somit auch sehr schwer wird, sich für jeweils ein einziges Konzept auf einem Parteiprogrammtag zu entscheiden. Denn es gibt glücklicherweise verschiedenste Ansätze und Konzepte, welche zumindest wert wären diskutiert zu werden. Auch wenn einzelne Vorschläge sicherlich nicht mehrheitlich konsensfähig wäre, so können Sie doch zu neuen Ideen inspirieren.
 
Aus diesem Grund möchte ich mit der vorgestellten sicherlich wenig erfreulichen Sichtweise und den Links zu anderen Konzeptionen zur öffentlichen Diskussion und sachlichen Auseinandersetzung einladen.
 
Es ist unwichtig, welche Ideen von Parteien favorisiert werden. Es geht darum mit allen betroffenen Menschen gemeinsame Standpunkte zu erarbeiten und zu einer Gesellschaftordnung zu gelangen, welche von allen ihren Mitgliedern getragen wird und welche langfristig für sozialen Frieden und nachhaltigen allgemeinen Wohlstand für Jeden steht.
 
In diesem Sinne mit besten Grüssen
 
Carsten Schlote, KV Giessen